Nach dem Erfolg der indigenen Gemeinschaften des Landschaftsraums Imiría-Chauya bei der Vermarktungskampagne für Bijao-Blätter während der San-Juan-Saison im Juni 2026 laufen die Vorbereitungen für die nächste Kampagne im Jahr 2027 weiter. Gleichzeitig fördert das Projekt die Entwicklung einer neue Wertschöpfungskette, die interessante Perspektiven eröffnet: Honig der Melipona-Bienen.
Melipona-Bienen sind einheimische, stachellose Bienen. Im Amazonasgebiet gibt es zahlreiche Arten, doch ihr Honig ist auf dem nationalen Markt noch wenig bekannt und auf dem europäischen Märkten wie dem Deutschen praktisch unbekannt. Sein Geschmack ist besonders: leicht säuerlich, mit einer Note, die an Zitrone erinnert. In der traditionellen Medizin des Amazonasgebiets werden ihm verschiedene heilende Eigenschaften zugeschrieben. Die Gemeinden kennen Melipona-Bienen seit Generationen und haben ihren Honig gelegentlich genutzt. Traditionell musste bei der Honiggewinnung jedoch der Baum gefällt werden, in dem sich das Bienenvolk befand. Fast unbekannt war, dass sich diese Bienen auch in speziell angepassten Bienenkästen halten und bewirtschaften lassen – ähnlich wie andere Bienenarten.

Deshalb ist die Melipona-Imkerei eine neue Erfahrung innerhalb des Projekts. Während Fischerei, Wira-Bijao-Blätter und Aguaje bereits Teil der wirtschaftlichen Aktivitäten der Gemeinden sind, eröffnet die Haltung von Melipona-Bienen in speziell entwickelten Bienenkästen nach dem brasilianischen INPA-Modell eine neue Möglichkeit, Einkommen zu erzielen, ohne die Biodiversität zu beeinträchtigen. Die lokale Bevölkerung reagiert sehr positiv auf diese neue Aktivität, und das Interesse wächst weiter. An einem intensiven Praxisworkshop im September nahmen mehr als 50 Personen aus sechs indigenen Gemeinden und kleineren Siedlungen teil. Die Teilnehmenden lernten, Bienenvölker fachgerecht einzufangen, in die Bienenkästen umzusiedeln und so zu betreuen, dass sie sich vermehren und Honig produzieren können.
In dieser Phase wurden außerdem acht verschiedene Arten von Melipona-Bienen identifiziert, darunter die als „Angelita“ bekannte Biene. Ihr Honig wird vor Ort wegen seiner Verwendung in der traditionellen Medizin geschätzt, beispielsweise bei Augenbeschwerden. Das wachsende Interesse der Gemeinden und die ersten

Erfahrungen mit der Bienenhaltung lassen eine positive wirtschaftliche Entwicklung dieser neuen Aktivität erwarten. Innerhalb von zwei Wochen, vom 9. bis zum 19. September, wurden in den sechs indigenen Gemeinden und in der Siedlung 12 de Mayo insgesamt 16 speziell entwickelte Bienenkästen aufgestellt. Dabei kamen acht Bienenarten zum Einsatz. Sechs davon sind bereits bekannt, zwei müssen noch genauer bestimmt werden. In der Gemeinde Junín Pablo werden derzeit weitere 25 Kästen aus hartem, feuchtigkeitsbeständigem Holz gebaut. Dafür wurden zwei Ausrüstungssätze mit Werkzeugen und Materialien angeschafft. Der Zusammenbau der Kästen erfolgte in den einzelnen. Gemeinden unter aktiver Beteiligung der Bevölkerung.
Den Regenwald nutzen, ohne ihn zu schädigen. Die Meliponenkultur veranschaulicht beispielhaft den Grundgedanken unserer Projektarbeit: Der Amazonas kann wirtschaftliche Perspektiven eröffnen, ohne dass dafür seine Biodiversität zerstört werden muss. Melipona-Bienen sind auf die Vielfalt der Pflanzen angewiesen und tragen gleichzeitig zur Bestäubung zahlreicher Baum- und Pflanzenarten bei. Dazu gehören Nutz- und Waldgehölze, Heilpflanzen sowie Fruchtpflanzen wie Aguaje, Ungurahui, Huasaí und Chonta, die von ihrer Bestäubungsleistung profitieren. Die fachgerechte Haltung dieser Bienen kann sich damit zu einer Aktivität entwickeln, die Naturschutz, lokales Wissen und Einkommensschaffung miteinander verbindet – insbesondere auch für Frauen und junge Menschen. Die indigenen Völker des Landschaftsraums Imiría–Chauya zeigen einmal mehr, dass die Biodiversität nicht nur geschützt werden muss, sondern zugleich die Grundlage einer nachhaltigen lokalen Wirtschaft bilden kann. Indigene Gemeinschaften als Hüter der Biodiversität!
MK – VO





